Nicht die Schweinegrippe hat Deutschland im Griff – nein, Deutschland ist im Sparfieber. Ganz besonders am Energieverbrauch lässt sich das deutlich sehen. Seit der Wiedervereinigung vor 20 Jahren war der Verbrauch nicht mehr so gering.Die Deutschen verbrauchen nicht mehr so viel Gas und Strom. Das teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft letzte Woche in Berlin mit und macht dafür die Entwicklung Deutschlands zur Zeiten der Wirtschaftskrise verantwortlich.

Nicht nur in Privathaushalten wird peinlichst auf den Energieverbrauch geachtet, auch in der Industrie sinkt die Nachfrage. So wird überall der Rotstift angesetzt, besonders dort, wo die letzten Heizrechnungen ein riesiges Loch in die Kassen geschlagen hatten. Obwohl es immer kühler wird, werden in Deutschland die Heizungen nicht aufgedreht, zumindest nicht zu hoch. Stattdessen investierten im Laufe des Jahres 2009 viele Haushalte in Wärmeisolierungen der Hauswände und der Dächer, auch dank großzügiger Subventionen durch den Staat. Tendenz steigend, Prognosen besagen, dass 2010 beinahe jeder fünfte Hausbesitzer Maßnahmen plane, um sein Haus besser gegen Kälte zu schützen und so die Heiz- und Stromkosten zu senken. So fielen in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 die Nachfragen für Gas und Strom um jeweils rund sieben Prozent. Ein Tiefststand der zuletzt zur Zeiten der Wiedervereinigung erreicht wurde.
Aber nicht nur die Privathaushalte tragen zu diesem starken Rückgang bei, die Nachfrage nach Energie in der Industrie sei um ein Vielfaches zurückgegangen, teilte der Bundesverband mit. Allerdings nicht freiwillig. Die Weltwirtschaftskrise zollt auch hier ihren Tribut. Dadurch, dass zahlreiche Produktionen nur noch eingeschränkt nachgefragt werden, sinken die Stromkosten für die Unternehmen. Die sonst so energiereiche Automobilbranche musste Rückschläge hinnehmen, die Fließbänder stehen still, Strom wird hier nicht mehr verbraucht. Um 14 Prozent sei der Strom- und Gasverbrauch der Großabnehmer aus der Industrie von Januar bis Oktober 2009 zurückgegangen.