In London ist seit einigen Tagen die erste Online-Arztpraxis online gegangen, die auch Behandlungen für Patienten in Deutschland anbietet. Der Name der Onlinepraxis, die von den britischen Aufsichtsbehörden für Medizin zugelassen ist, ist “Dr Ed”. Sie bietet Sprechstunden sowohl zur Männergesundheit, wie z.B. Impotenz oder Haarwuchs als auch zur Frauengesundheit, wie z.B. Verhütung an. Darüber hinaus gehören die Malariaprophylaxe bei Reisen ins Ausland sowie die Diagnose und anschließende Behandlung von Geschlechtskrankheiten zum Aufgabenfeld der neuen Praxis.

Die Onlinesprechstunden sowie die Diagnose sind für die Patienten komplett kostenfrei. Nur wenn es zu einer Behandlung, zum Beispiel der Verordnung von Medikamenten kommt, sind Gebühren zu entrichten, die je nach Thema unterschiedlich ausfallen. Die deutsche Ärztekammer zeigte sich skeptisch in Bezug auf die neue Onlinepraxis aus England und rief zur Vorsicht auf. Die Onlinepraxis Dr. Ed ist zahlreiche Kooperationsverträge, unter anderem mit Laboren in Deutschland, eingegangen, um z.B. Urinproben oder Blutwerte zu analysieren.

Medikamente die durch “Dr. Ed” verordnet wurden, werden auf Wunsch von zahlreichen deutschen Versandapotheken direkt an die Patienten versendet. Für Patienten heißt das, dass sie vom Besuch der Onlinepraxis bis zum Erhalt des verschriebenen Arzneimittels ihr Haus nicht mehr verlassen müssen. Vor allem für ältere oder behinderte Menschen könnte dies ein großer Vorteil sein.

Die Kostenübernahme der Behandlung ist zur Zeit noch ungeklärt und daher richtet sich die Behandlung zur Zeit vor allem an Selbstzahler. Die Krankenkassen in Deutschland erstatten zur Zeit noch keine medizinischen Leistungen über das Telefon oder das Internet. Ärztliche Leistungen, die sowohl von gesetzlichen wie auch von privaten Krankenkassen übernommen werden, seien jedoch in Planung, wie der Gründer von “Dr. Ed” David Meinertz mitteilte.

Die Bundesärztekammer teilte mit, dass Ärzte und Ärztinnen in Deutschland auf Grund ihrer Berufsordnung keine individuelle Beratung oder ärztliche Behandlung aus der Ferne durchführen dürfen, sondern grundsätzlich vor Ort beim Patienten sein müssen. Weiterhin sei ein intensiver und vertrauensvoller Kontakt zwischen Arzt und Patient sowohl für die Beratung als auch für die Behandlung sehr wichtig. Dieser könne jedoch nur durch persönlichen Kontakt entstehen - nicht über das Internet oder das Telefon, so die BÄK weiter. Die BÄK streitet nicht ab, dass telemedizinische Beratungen hilfreich sein können, sie könnten die persönliche medizinische Behandlung jedoch nicht ersetzen.


Anzeige: