Die Entwicklungen, die in Nordafrika seit einigen Monaten zu beobachten sind, werden häufig mit großer Bewunderung und Freude begrüßt. Dennoch haben sich daraus Konsequenzen für die Reiseregion Nordafrika ergeben, die sich sehr negativ auf die Wirtschaft des Landes auswirken könnten.
Natürlich freut es “die Welt”, wenn eine ganze Region sich in Richtung Demokratie aufmacht. Zu lange wurden viele Länder, darunter auch die im nördlichen Afrika, von Clans regiert, die das Volk arm und ungebildet hielten und sich stark bereicherten. Darum freut man sich als Nordeuropäer natürlich über jede Demonstration des Volks, versteht dessen Belange.
Aber zum Reisen haben Tunesien, Ägypten etc. vorläufig ausgedient, und es ist unklar, wie schnell sich daran etwas ändern wird. Die Vorgänge in diesen Ländern werden zwar positiv beurteilt, aber auch stark als Interna wahr genommen, mit denen man auf Reisen in Nordafrika natürlich nichts zu tun haben will. Oft sind es ja auch Splittergruppen, die für militante Aktionen sorgen, die gar nicht die Zustimmung der Gesamtbevölkerung finden. Solche Vorfälle bzw. die Angst, dass sie sich am Ferienort ereignen könnten, führt dazu, dass von Reisen in Umbruch- oder Krisenregionen auch vom auswärtigen Amt abgeraten wird.
Und da der Tourist in der Regel keine übermäßig große Loyalität zu einem Land zeigt, sondern sich in erster Linie von Kriterien wie “Sonnengarantie, gutes Preis-Leistungsverhältnis” leiten lässt, ist es nicht verwunderlich, dass sich sofort in der Reiselandschaft etwas verändert, die Strände Dscherbas etc. leer bleiben. Dies ist eine Art Schizophrenie, man gönnt es allen Völkern, aufzubegehren, zur Demokratie zu gelangen, aber man möchte es bitte im Urlaub ruhig haben, den Tag unbehelligt am Strand verbringen. Der örtliche Tourismus leidet beträchtlich.
Weitere Artikel zum Thema: http://www.sueddeutsche.de/F5x38y/3954747/Leere-Hotels-verlassene-Straende.html
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,744040,00.html und http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,745906,00.html