Obwohl seit Jahren in vielen Medien Aufklärungsarbeit betrieben wird, nutzen offensichtlich immer noch zu wenig Verbraucher ihre Marktmacht. Solange die meisten Haushalte ihren Strom über Jahrzehnte von ihrem Grundversorger beziehen, sitzen Stromanbieter auch bei zukünftigen Preiserhöhungen am längeren Hebel.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht jedenfalls bisher kein Ende bei der Preisentwicklung. Um rund 60 Prozent seien die Stromkosten für die Verbraucher in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, und für das kommende Jahrzehnt sehen die Verbraucherschützer eine ähnliche Entwicklung voraus.
Die jüngste Erhöhung der Strompreise bei vielen Anbietern zum Beginn des Jahres 2011 ist bezogen auf die Zahl der davon betroffenen Haushalte besonders massiv. Die dabei vorgebrachten Begründungen der Energiekonzerne werden allerdings sowohl von Verbraucherschützern kritisch betrachtet wie auch von der Bundesnetzagentur.

Die Versorger argumentierten bei ihren jüngsten Preisanpassungen fast einheitlich mit der staatlich festgesetzten Erhöhung der Umlage für erneuerbare Energien, die sie lediglich an die Endverbraucher weitergeben würden.
In der Tat steigt die Umlage für erneuerbare Energien ab 1. Januar 2011 um 1,5 Cent je Kilowattstunde von bisher 2,05 auf dann 3,53 Cent je Kilowattstunde. Diese Umlage müssen jedoch nicht zwangsläufig die Stromkunden zahlen, sondern zunächst einmal die Stromversorger. Der Bund der Energieverbraucher weist darauf hin, die Stromeinkaufspreise der Anbieter hätten sich, auch durch die Einspeisung von erneuerbarem Strom, in den vergangenen zwei Jahren deutlich verringert. Von der Kostenseite her gebe es daher keine Rechtfertigung für eine Strompreiserhöhung, zumal die jährlichen Gewinne der Konzerne in den letzten Jahren gestiegen seien.
Der Bund der Energieverbraucher hält die aktuelle Diskussion gegen Erneuerbare Energie deshalb in Wahrheit für ein Ablenkungsmanöver und rät betroffenen Verbrauchern zum Tarifvergleich und zu einem Anbieterwechsel.

Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hat die Verbraucher dazu aufgerufen, sich im Fall ungerechtfertigter Strompreiserhöhungen zu informieren und nötigenfalls den Anbieter zu wechseln. Auch nach der Erhöhung der Umlage für erneuerbare Energien gebe es große Unterschiede bei den Stromanbietern. Manche ließen die Preise konstant oder gäben Beschaffungsvorteile an die Kunden weiter.
Im Internet bieten inzwischen eine ganze Reihe von Internetportalen Services zum schnellen und kostenlosen Vergleich der Stromversorger-Tarife. Erst wenn die Verbraucher ihre Marktmacht stärker nutzen, kann die Preisspirale beim Strom mittelfristig gestoppt werden.